History in the Making
Geschichte erleben. Quellen erforschen. Kritische Fragen stellen.
Was entsteht, wenn SchülerInnen Geschichte nicht nur lernen, sondern selbst wie HistorikerInnen arbeiten?
In History in the Making untersuchen Jugendliche authentische Archivmaterialien, setzen sich mit historischen Entscheidungssituationen auseinander und entdecken, wie Demokratie entstanden ist, herausgefordert wurde und immer wieder neugestaltet wird. Durch eigenständige Recherchen, Diskussionen in Kleingruppen und regelmäßigen Perspektivwechseln lernen sie, historische Dokumente kritisch zu hinterfragen, unterschiedliche Sichtweisen zu erkennen, quellengestützt zu argumentieren und Verbindungen zur Gegenwart herzustellen.
Mit digitalen Archivrecherchen, Quellenanalysen, historischen Rollenspielen und Debatten wird Geschichte unmittelbar erfahrbar. Besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich: Die SchülerInnen werden Schritt für Schritt begleitet und dazu ermutigt, selbst zu forschen, Fragen zu stellen, zu diskutieren und eigene Schlussfolgerungen zu ziehen.
Dabei stärken sie
- Kritisches Denken
- Quellenanalyse
- Recherchefähigkeiten
- Perspektivenwechsel
- Argumentationsfähigkeit
- Demokratiekompetenz
Der Workshop findet am DAI Heidelberg statt und greift unter anderem die Geschichte des Amerika-Hauses auf. Für sein historisches Engagement wurde das DAI von der Stiftung Orte der Deutschen Demokratiegeschichte gewürdigt.
Der Kurs wird von Muttersprachlern auf Englisch gehalten.
Für Schulklassen und SchülerInnengruppen
Sie möchten mit Ihrer Klasse teilnehmen? Kontaktieren Sie uns für weitere Informationen oder einen individuellen Workshop-Termin.
Konzept
Dieser Workshop befähigt die Schüler, sich von passiven Konsumenten von Geschichte zu aktiven Teilnehmern zu entwickeln. Anstatt Geschichte als statische Auflistung von Namen, Daten und Ereignissen zu betrachten, setzen sich die Lernenden durch den praxisorientierten Prozess der historischen Forschung direkt mit ihr auseinander. Die Schüler untersuchen ausgewählte Archivmaterialien, um Leitfragen zu den Themen Demokratie, bürgerliche Verantwortung und den Herausforderungen unserer modernen, vernetzten Welt zu erörtern.
Pädagogische Strategien
Der Workshop setzt auf eine Mischung aus interaktiven Rahmenbedingungen, praktischer Recherche und Dialog in Kleingruppen. Die zentralen Stärken dieses Ansatzes sind:
- Multiperspektivischer Ansatz – die Lernenden setzen sich kritisch mit aktuellen und historischen Themen auseinander, wobei der Schwerpunkt auf Nuancen und dem historischen Kontext liegt
- Dialogorientiertes Modell – Die Hinterfragung der traditionellen Lehrer-Schüler-Dynamik schafft Möglichkeiten für die Interaktion zwischen den Lernenden und stärkt deren Fähigkeit, aktiv zuzuhören, kritisch zu denken und ihren Mitschülern evidenzbasierte Argumente zu präsentieren
- Authentische Forschung – Die Verwendung von Primärquellen zur Simulation der tatsächlichen Arbeitsmethoden von Historikern in der Praxis
Kernkompetenzen und angestrebte Lernergebnisse
Das vorrangige Ziel dieses Workshops ist es, die gesellschaftliche Resilienz der Studierenden zu stärken, indem sie dazu befähigt werden, informierte und aktive Teilnehmer am demokratischen Leben zu werden. Zu den wichtigsten Lernergebnissen gehören:
- Quellenkompetenz – Die Studierenden bewerten Primärquellen hinsichtlich der Absicht des Autors, des institutionellen Kontexts und historischer Voreingenommenheit.
- Perspektivübernahme – Die Studierenden rekonstruieren vergangene Entscheidungen, indem sie die Zwänge, Hoffnungen und Ängste historischer Akteure nachvollziehen.
- Zivilgesellschaftlicher Transfer – Die Studierenden stellen Verbindungen zwischen historischen Entscheidungen und aktuellen Dilemmata in den Bereichen moderne Medien, institutionelle Governance und zivilgesellschaftliches Leben her.
Unterstützende Partner
Die Kernstärke dieses Workshops liegt in der zielgerichteten Zusammenarbeit. Als Institution, die kürzlich von der Stiftung Orte der Deutschen Demokratiegeschichte für ihre historischen Beiträge ausgezeichnet wurde, setzt das DAI seinen langjährigen Auftrag zur Förderung der demokratischen Bildung fort.
Zeitplan:
- 9:00 Uhr – Ankunft im DAI, Begrüßung und Einordnung: Einführung in die Ziele des Workshops und Überblick über den Tagesablauf
- 9:15 Uhr – Gruppensitzung: (Was machen Historiker?, wer schreibt Geschichte?, was bedeutet es, ein Ort der demokratischen Geschichte zu sein?)
- 10:15 Uhr – Die Geschichte des Amerika-Hauses: Videovorführung, Rundgang durch die „Wall of History“ und die Ausstellung
- 11:00 Uhr – Pause
- 11:15 Uhr – Die Anatomie der Demokratie: Untersuchung der wichtigsten Säulen der Demokratie (Redefreiheit, Wahlrecht, repräsentative Regierung, Gewaltenteilung) anhand ihrer historischen Wurzeln und ihrer heutigen Anwendung
- 11:45 Uhr – Mittagspause
- 12:30 Uhr – Arbeitsgruppen: Hier nehmen die am Vormittag geleisteten Grundlagenarbeiten Gestalt an. Die Schüler werden von Fachleuten bei einer Aufgabe angeleitet. Dabei geht es nicht nur darum, historische Namen, Daten oder Ereignisse auswendig zu lernen, sondern ihr Wissen anzuwenden, um konkrete historische Herausforderungen anzugehen.
- 14:00 Uhr – Ergebnispräsentation und Nachbesprechung in der Großgruppe
- 14:30 Uhr – Abschluss: Gemeinsam fassen wir die Erfahrungen des Tages zusammen, tauschen unsere Gedanken aus und nehmen uns etwas Zeit zum Tagebuchschreiben.
Details zu den Arbeitsgruppen:
Schnitzeljagd im digitalen Archiv
Die Schüler erhalten ein „Problem“, das sie lösen sollen, und müssen ihre Recherchefähigkeiten einsetzen, um eine Antwort zu finden. Die Aufgabe sollte so gestaltet sein, dass sie Raum für Interpretationen lässt, aber dennoch eine mehr oder weniger allgemein anerkannte Lösung bietet. Die Schüler versuchen, die Wahrheit aufzudecken, und lernen dabei unter anderem etwas über die indirekte Rede, die Bedeutung des Journalismus und die Rolle des Geschichtenerzählens.
Mögliche Themen sind unter anderem:
- Die Eröffnung der Amerika-Häuser, 1945–1950
- Wie reagierte die lokale Bevölkerung?
- Was war die Absicht der Amerikaner und der Alliierten? Handelte es sich um Propaganda, Altruismus oder etwas dazwischen?
- Welche Schritte wurden unternommen, um wichtige demokratische Institutionen schrittweise wieder aufzubauen? Mögliche Antworten sind Medien-/Drucklizenzen, die wachsende Bedeutung des Fernsehens und die Rückkehr zu fairen und offenen Wahlen
- Der Marshall-Plan vs. das Streben nach Autonomie
- In welchem Konflikt standen der Bedarf an wirtschaftlicher Hilfe und das Bestreben, die Besatzung Westdeutschlands durch die Alliierten zu beenden? Inwiefern profitierten westliche Marken vom Wirtschaftswunder der 1940er- und 1950er-Jahre, und wie konnten sich einheimische Marken (Boss, Fanta, Lufthansa) nach dem Krieg wieder etablieren?
Beispiel für eine Übung zur Perspektivübernahme
Der Parlamentarische Rat und die Ausarbeitung des Grundgesetzes (1948–1949)
Der historische Kontext: Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die deutschen Politiker, die in Bonn mit der Ausarbeitung einer Verfassung beauftragt waren, nicht die Absicht, einen dauerhaften eigenständigen Staat zu schaffen; sie betrachteten dies als vorübergehende (provisorische) Maßnahme unter strenger Aufsicht der Alliierten, da sie befürchteten, dass dies die Teilung Deutschlands zementieren würde.
Aufgabe zum Archivdossier: Stellen Sie den Schülern Auszüge aus frühen Parlamentsdebatten, vertrauliche Notizen der westlichen Besatzungsmächte und Tagebucheinträge von Ratsmitgliedern zur Verfügung (z. B. von Elisabeth Selbert, die sich für die Gleichstellung der Geschlechter in Artikel 3 einsetzte).
Aufgabe zum Einnehmen einer Perspektive: „Stell dir vor, du bist 1948 Ratsmitglied. Du weißt, dass das Versäumnis, einen stabilen Rahmen zu schaffen, Chaos riskiert, doch ein zu starkes Drängen auf nationale Souveränität könnte die alliierten Militärgouverneure verärgern oder die Sowjetzone dauerhaft entfremden. Was priorisierst du, und welche Kompromisse musst du gegenüber deinen Wählern rechtfertigen?“
Weitere Ideen sind für einen einwöchigen Workshop im Herbst vorgesehen.
- Ein Leben im Überblick – Entdecke die „Wall of Fame“
Die Schüler*innen werden einer von mehreren Kategorien (Autor*in, demokratische Führungspersönlichkeit, Wissenschaftler*in usw.) zugeordnet und verfassen eine kurze Biografie über die jeweilige Person. Anschließend stellen die Schüler*innen ihre Person der gesamten Gruppe vor.
Alternativ können die Schüler einen falschen Wikipedia-Artikel über eine berühmte Persönlichkeit erhalten, den sie umschreiben müssen, um historische Falschinformationen oder eklatante Auslassungen zu korrigieren.
Benötigte Materialien: „Wall of Fame“-Karten, Vorlage für die Biografie - Geschichte von unten
Die Schüler beschäftigen sich mit einigen der weniger bekannten Namen der Geschichte und konzentrieren sich dabei darauf, wie Menschen vor Ort Einfluss auf die regionale, nationale oder internationale Politik nehmen können. Anschließend erstellen sie einen kurzen Podcast über die von ihnen ausgewählte Persönlichkeit.
Benötigte Materialien: Biografien, Recherchematerialien, Aufnahmegeräte/-software - Demokratie und Soft Power
Die Schüler setzen sich mit der Kraft der Kunst auseinander, Meinungen zu verändern. Wir werden uns mit den Auswirkungen von „Soft Power“ befassen und untersuchen, wie Kunst Bedeutung vermitteln und gängige Sichtweisen hinterfragen kann. Die Schüler beginnen mit einem Rundgang durch die Ausstellung im Obergeschoss und begegnen anschließend verschiedenen Formen politischer Kunst, die von den Lehrkräften kuratiert wurden. Am Ende gestalten die Schüler ihr eigenes, zum Nachdenken anregendes Kunstwerk für ein politisches Anliegen, das ihnen am Herzen liegt (Wahlrecht, Umwelt usw.). - Zur Debatte
Die Schüler erhalten ein Debattenthema und müssen erfolgreich für ihre Seite argumentieren. - Schnitzeljagd im digitalen Archiv
Die Schüler erhalten ein „Problem“, das sie lösen müssen, und müssen ihre Recherchefähigkeiten einsetzen, um eine Antwort zu finden. Die Aufgabe sollte die richtige Mischung aus Interpretationsspielraum und einer weitgehend anerkannten Antwort bieten. Die Schüler arbeiten daran, die Wahrheit aufzudecken, und lernen dabei unter anderem etwas über die indirekte Rede, die Bedeutung des Journalismus und die Rolle des Geschichtenerzählens. - Generationen-Interview-Projekt
Die Schüler konzentrieren sich auf eine bestimmte Person, bereiten ein Interview vor und führen es durch. Die Schüler sollten zwischen den einzelnen Interviews angeleitet werden, damit sie wissen, welche Fragen sie stellen sollen, wie man ein Interview richtig durchführt und wie sie das Interview anschließend aufbereiten, um es einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.
