Judith Hermann
- Ich möchte zurückgehen in der Zeit
- Literatur
„Das Leben meines Großvaters ist ein interfamiliärer Coldcase“, sagt Judith Hermann. Sie folgt den Spuren dieses Großvaters, der während des Zweiten Weltkriegs für die SS in Polen stationiert war; ihr Schreiben verknüpft sie mit seiner lange verleugneten Geschichte und dem unnachgiebigen Schweigen in der Familie. Von Polen aus reist sie weiter zu ihrer Schwester nach Neapel und geht dem Erinnern und Vergessen der folgenden Generationen nach.
In Zwischentönen spürt Judith Hermann das Verdrängte, die Leerstellen auf – dessen, der nicht erzählt; derer, die schweigen; auch die unserer Gesellschaft. Zugleich erzählt sie davon, wie fragil wir uns in unseren Leben einrichten.
Judith Hermanns Debüt Sommerhaus, später (1998) erfuhr eine außerordentliche Resonanz. 2003 folgte der Erzählungsband Nichts als Gespenster; einzelne Geschichten wurden für das Kino verfilmt. Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet. Für Wir hätten uns alles gesagt, basierend auf den Frankfurter Poetikvorlesungen 2022, erhielt Judith Hermann den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis.