{"id":53297,"date":"2022-11-24T17:44:52","date_gmt":"2022-11-24T16:44:52","guid":{"rendered":"https:\/\/dai-heidelberg.de\/de\/?page_id=53297"},"modified":"2022-11-29T06:27:11","modified_gmt":"2022-11-29T05:27:11","slug":"rafik-schami-rafik-erzaehlt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/dai-heidelberg.de\/de\/rafik-schami-rafik-erzaehlt\/","title":{"rendered":"Rafik Schami: Rafik erz\u00e4hlt"},"content":{"rendered":"<h2>Ein Fest der Geschichten<\/h2>\n<p>Im Oktober 2022 fand im DAI Heidelberg unter dem Motto &#8222;In Geschichten zu Hause&#8220; erstmalig ein Internationales Kinderbuchfestival statt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Er\u00f6ffnung des Festivals konnte das DAI Rafik Schami gewinnen. Der Deutsch-Syrer, der ein unvergleichlicher Vermittler zwischen Orient und Okzident ist, h\u00e4tte dabei einfach aus seinen wunderbaren literarischen Texten vorlesen. Doch viel lieber noch folgte er der (nicht nur orientalischen) Tradition des Erz\u00e4hlens \u2013 und verzauberte gleich zum Auftakt des Festivals zahlreiche kleine wie gro\u00dfe Fans!<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Rafik Schami hat dem DAI seinen Vortrag beim Kinderbuchfestival in Textform zur Verf\u00fcgung gestellt \u2013 f\u00fcr alle interessierten Leser und Leserinnen, jung wie alt.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center\"><strong>Rafik Schami<\/strong><br \/>\n<strong>Kindern kann man nicht genug erz\u00e4hlen<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Rede beim Kinderbuchfestival in Heidelberg<\/em><br \/>\n<em>22.10.22<\/em><\/p>\n<p>Liebe Kinder,<br \/>\nLebe Eltern und Gro\u00dfeltern,<br \/>\nLiebe Freundinnen und Freunde,<br \/>\nMeine Damen und Herren,<\/p>\n<p>Ich halte nie gerne Vortr\u00e4ge, weil ich nicht gut vorlesen kann. Aber was soll ich tun, wenn mich ein Freund darum bittet? Jakob K\u00f6llhofer kenne und sch\u00e4tze ich seit \u00fcber drei\u00dfig Jahren.<\/p>\n<p>Sollte Ihnen mein Vortrag gefallen, so k\u00f6nnen Sie ihn ruhig f\u00fcr seine Entscheidung loben. Sollte der Vortrag Sie langweilen, so ist es allein meine Schuld.<\/p>\n<p>Kinder sind ganz besondere Wesen. Sie geh\u00f6ren nicht dem Volk, in dem sie zuf\u00e4llig geboren wurden, sondern dem Kindervolk, das weltweit unter den erwachsenen V\u00f6lkern lebt.<\/p>\n<p>Auch Jesus war in seinem ganzen Wesen kein Angst einfl\u00f6\u00dfender Gott, sondern ein Kind. Sein kurzer Spruch spricht B\u00e4nde:<\/p>\n<p><em>\u201eWahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt, euren<\/em><br \/>\n<em>Sinn \u00e4ndert und wieder werdet wie Kinder, k\u00f6nnt ihr nicht in<\/em><br \/>\n<em>das Himmelreich kommen.\u201c<\/em>\u00a0(Mt 18, 3)<\/p>\n<p>Deshalb ist er ganz bestimmt im Himmel.<\/p>\n<p>Aber alle Welt ist bem\u00fcht, die Kinder so schnell wie m\u00f6glich aus der Kindheit zu vertreiben und aus ihnen langweilige Erwachsene zu machen. Ich aber habe den Ausspruch eines meiner Lieblingsautoren deutscher Sprache verinnerlicht. Es war Erich K\u00e4stner, der in einer Rede zu Sch\u00fclern sagte: <em>\u201eLasst euch die Kindheit nicht austreiben. Nur wer erwachsen wird und <\/em><em>Kind bleibt, ist ein Mensch.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Und er beendet die Rede mit dem Ratschlag:<br \/>\n<em>\u201eLiebe Eltern, wenn Sie etwas nicht verstanden haben<\/em><br \/>\n<em>sollten, fragen Sie Ihre Kinder!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Und als ob sich K\u00e4stner und Khalil Gibran abgesprochen h\u00e4tten, vertrat dieser in seinem weltber\u00fchmten Werk <em>Der <\/em><em>Prophet<\/em> eine \u00e4hnliche Meinung. Im Gedicht \u201eEure Kinder\u201c hei\u00dft es:<\/p>\n<p><em>\u201eIhr k\u00f6nnt versuchen, ihnen gleich zu sein, aber versucht <\/em><em>nicht, sie nach eurem Bild zu schaffen. <\/em><em>Denn das Leben l\u00e4uft nicht r\u00fcckw\u00e4rts oder klammert <\/em><em>sich ans Gestern.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Wenn Sie also gl\u00e4ubig sind, h\u00f6ren Sie bitte auf Jesus, sind Sie von spirituellen Texten fasziniert, so h\u00f6ren Sie auf Gibran. Sind sie ein n\u00fcchterner Rationalist oder Atheist, so h\u00f6ren Sie auf Erich K\u00e4stner.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Was mich zum Erz\u00e4hler gemacht hat<\/em><\/p>\n<p>Ich glaube heute fest daran, dass meine Kindheit eine gro\u00dfe Rolle bei meiner Entwicklung zum Erz\u00e4hler und sp\u00e4ter zum Schriftsteller gespielt hat. Ich hatte gro\u00dfes Gl\u00fcck in dieser Kindheit. Meine\u00a0 Umgebung h\u00e4tte kulturell nicht bunter sein k\u00f6nnen. Als Angeh\u00f6riger einer doppelten Minderheit war ich Christ unter Muslimen und Aram\u00e4er unter Arabern. Das gab mir Gelegenheit, meinen Freundinnen und Freunden, die der arabischen muslimischen Mehrheit angeh\u00f6rten, von unserer Kultur zu erz\u00e4hlen. Au\u00dferdem lebten in meiner unmittelbaren Umgebung Kurden, Tscherkessen, Iraner, Armenier, Juden, Pal\u00e4stinenser, Griechen, Jesiden und Drusen. So habe ich bereits als Kind t\u00e4glich den Respekt vor anderen Kulturen erfahren. Und es tat meiner Seele gut, all diese farbige Vielfalt kennenzulernen und zu genie\u00dfen. Heute haben die Kinder in Deutschland eine \u00e4hnlich multikulturelle Umgebung und \u00e4hnliche Chancen.<\/p>\n<p>Mein Vater war ein stiller, eher schweigsamer Mann, der gerne und t\u00e4glich las. Meine Mutter war eine weise Analphabetin, die gerne Anekdoten erz\u00e4hlte und h\u00f6rte. Ich sammelte lustige Ger\u00fcchte und Anekdoten f\u00fcr sie. Ihr atemloses Lachen freute mich, und manchmal befreite das Lachen f\u00fcnf Piaster aus der Dunkelheit ihrer Tasche und f\u00fchrte die M\u00fcnze in meine Hand. Doch das entscheidende Erlebnis mit ihr war das gemeinsame n\u00e4chtliche Lauschen der Scheherazade. Zwei Jahre, acht Monate und siebenundzwanzig Tage h\u00f6rten wir jede Nacht eine Folge der 1001 Nacht. (Nat\u00fcrlich haben wir auch einige N\u00e4chte verschlafen oder waren auf Reisen.) Die Sendung begann nachts um halb zw\u00f6lf. Mein Vater ging fr\u00fch ins Bett, da er als B\u00e4cker t\u00e4glich um f\u00fcnf Uhr aufstehen musste. Meine zwei Br\u00fcder\u00a0 interessierten sich nicht f\u00fcr Geschichten. Nach langen Diskussionen schlossen wir, meine Mutter und ich, einen Kompromiss. Ich gehe brav um sieben ins Bett, und meine Mutter weckt mich kurz vor halb zw\u00f6lf. Sie hielt Wort, und zu zweit hockten wir vor unserem gro\u00dfen Radio. Die Sendung begann mit der Rimski-Korsakows Sinfonie Scheherazade. Nach einer halben Stunde h\u00f6rte Scheherazade dort auf, wo die Geschichte am spannendsten wurde, und in der Ferne kr\u00e4hte ein Hahn zur Ank\u00fcndigung der Morgend\u00e4mmerung. Scheherazade versprach dem K\u00f6nig, sie w\u00fcrde ihm die Fortsetzung erz\u00e4hlen, wenn er sie einen Tag l\u00e4nger leben lie\u00dfe. Der gewaltt\u00e4tige Herrscher, der t\u00e4glich eine Frau hinrichten lie\u00df, dachte bei sich, lass sie die Fortsetzung erz\u00e4hlen und morgen wird sie get\u00f6tet, doch bevor er richtig zu sich kam, endete auch die zweite Nacht an einer spannenden Stelle. So verwandelte Scheherazade den gewaltt\u00e4tigen Herrscher in ein lauschendes Kind.<br \/>\nTausendundeine Frau rettete Scheherazade und heilte dabei den kranken K\u00f6nig, der von nun an Frauen achtete.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens soll man die Zahl 1001 nicht streng mathematisch verstehen. Es bedeutet auf Arabisch schlich und einfach \u201eunendlich\u201c. Nach dem Ende einer Folge konnte ich in der Regel nicht einschlafen. Ich versuchte, eine Fortsetzung zu erfinden, und lag im ersten Jahr mit meinen Phantasien vollkommen daneben, da Kinder nach Harmonie suchen, die Kunst aber nicht. Im zweiten Jahr war meine Trefferquote zwar immer noch miserabel, aber im Nachhinein betrachte ich jene N\u00e4chte als meine erste Schule der Erz\u00e4hlkunst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Was Kinder vom Vorlesen und Erz\u00e4hlen gewinnen <\/em><\/p>\n<p>\u00dcberlassen Sie das Kind nicht dem Dschungel des Smartphones. Der Anblick eines Babys im Buggy oder im Zug, das seine Umgebung \u2013 und sei es eine wundersch\u00f6ne Landschaft \u2013 nicht wahrnimmt, sondern ein Smartphone in seinen kleinen H\u00e4nden h\u00e4lt und professionell bedient, ist allt\u00e4glich geworden.<br \/>\nDas stimmt mich traurig. Ihr Kind wird sp\u00e4ter noch mehr als genug Zeit f\u00fcr Smartphones haben. Und den Umgang damit lernt man in ein paar Tagen, also wozu die Eile?! Nehmen Sie Ihr Kind oder Enkelkind an die Hand und reisen Sie mit ihm durch die Welt der Geschichten. Nicht nur Sie werden dabei viel Freude haben, sondern das Kind hat dadurch neben dem Vergn\u00fcgen handfeste Vorteile.<\/p>\n<p>Sowohl private Beobachtungen als auch wissenschaftliche Forschungen zeigen eindeutig den Gewinn des Vorlesens und Erz\u00e4hlens f\u00fcr die Kinder und f\u00fcr die Erz\u00e4hlenden. Wenn Sie Ihre Erinnerung an diese unentbehrlichen Vorteile auffrischen wollen, so schauen Sie doch bitte auf die entsprechende Seite der Stiftung Lesen. Dort werden die zehn Vorteile des Vorlesens sehr ausf\u00fchrlich beschrieben, und sie gelten genauso f\u00fcr das Erz\u00e4hlen. Hier nur ein schneller Durchgang:<\/p>\n<p>1. Vorlesen schafft N\u00e4he und st\u00e4rkt den famili\u00e4ren Zusammenhalt.<br \/>\n2. Durch die Geschichten vergr\u00f6\u00dfert sich der Wortschatz der Kinder.<br \/>\n3. Geschichten machen Kinder erfinderisch und standfester gegen\u00fcber Krisen.<br \/>\n4. Geschichten erh\u00f6hen die Sensibilit\u00e4t der Kinder, was ihnen sp\u00e4ter hilft, ihre Freundinnen und Freunde besser verstehen.<br \/>\n5. Geschichten erh\u00f6hen den Gerechtigkeitssinn der Kinder, weil sie sich mit den Heldinnen und Helden verbunden f\u00fchlen\/identifizieren.<br \/>\n6. Geschichten machen die Kinder kl\u00fcger. Zum einen, weil sie viele verschiedene Welten kennenlernen und miterleben, wie Probleme gel\u00f6st werden. Zum anderen, weil sich das Denken in W\u00f6rtern bildet, und je gr\u00f6\u00dfer der Wortschatz eines Kindes ist, umso kl\u00fcger wird es.<br \/>\n7. Das Zuh\u00f6ren f\u00f6rdert nicht nur die Kreativit\u00e4t, sondern vor allem die Konzentration. Das Scrollen tut es weniger.<br \/>\n8. Kinder, die oft mit B\u00fcchern umgehen, lernen schnell die Buchstaben, fangen aus Neugier an, sie nachzubilden, und das hilft ihnen beim Eintritt in die Schule.<br \/>\n9. Kinder, die oft Geschichten h\u00f6ren oder vorgelesen bekommen, haben bald Freude daran, S\u00e4tze und Abs\u00e4tze selbstst\u00e4ndig zu entschl\u00fcsseln.<br \/>\n10. Kinder, die vor dem Schuleintritt Geschichten erz\u00e4hlt oder vorgelesen bekamen, haben nachweislich nicht nur in der Sprache, sondern in den anderen F\u00e4cher bessere Noten.<\/p>\n<p>Also worauf warten Sie noch?!<br \/>\nAber nehmen Sie bitte zwei kleine Bemerkungen von mir mit auf dem Weg:<br \/>\nIst es nicht komisch, dass wir uns freuen, wenn Kinder langsam sprechen lernen, wobei sie die W\u00f6rter oft auf komische Weise falsch aussprechen, und dann wollen wir, sobald sie perfekt sprechen k\u00f6nnen, dass sie im Kreis der Erwachsenen schweigen!?<\/p>\n<p>Ich kann Ihnen nur empfehlen, Kinder sprechen und Fragen stellen zu lassen, und wenn Sie die Antwort nicht wissen, so sagen sie es den Kindern ehrlich, denn oft stellen Kinder geniale Fragen, die sehr schwer oder gar nicht zu beantworten sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Vorlesen und Erz\u00e4hlen gegen die Isolation <\/em><\/p>\n<p>Kinder einer Minderheit, seien es Kinder von Gefl\u00fcchteten oder von Arbeitskr\u00e4ften nicht europ\u00e4ischer Herkunft sind besonders belastet. Sie empfinden jede gegen ihre Eltern gerichtete Bedrohung, Beschimpfungen oder Herabw\u00fcrdigung, Isolation oder Abschiebung, noch intensiver als die Erwachsenen. Wie sehr diese Kinder gedem\u00fctigt werden, die ausl\u00e4nderfeindliche Spr\u00fcche vor der Lyrik von Heine kennenlernen, das sollte die Mehrheitsgesellschaft aus ihrer Gleichg\u00fcltigkeit aufr\u00fctteln. Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Kind und m\u00fcssen zur besten Sendezeit im Fernsehen die abf\u00e4llige und rassistische Witzelei eines Comedians gegen Ihre Eltern mitanh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Aber nicht nur das. Diese Kinder, die sich hier trotzdem schneller integrieren als ihre Eltern, bekommen dauernd, fast t\u00e4glich zu h\u00f6ren, dass ihre Eltern zur\u00fcckkehren sollten oder gar m\u00fcssen. Das ist nicht nur traurig, sondern wirkt als andauerndes Provisorium desintegrativ.<br \/>\nSolche Kinder brauchen Geschichten, die ihnen Mut machen, die ihnen zeigen, dass Au\u00dfenseiter auch eine Chance haben und dass Freundschaft unabh\u00e4ngig von einer kalten, ablehnenden Umgebung entstehen und einen retten kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Lachen mit Kindern<\/em><\/p>\n<p>Aristoteles schrieb: <em>\u201eLachen ist eine k\u00f6rperliche \u00dcbung von <\/em><em>gro\u00dfem Wert f\u00fcr die Gesundheit.\u201c<\/em> Der griechische Gelehrte hat das bereits im vierten Jahrhundert v. Chr. erkannt. Allein im Gesicht bet\u00e4tigt das Lachen siebzehn Muskeln. Schlechte Laune braucht keine Muskeln. Mich hat das Ph\u00e4nomen \u201eLachen\u201c immer fasziniert. Vor zwei Jahren habe ich einen langen Essay \u00fcber das Lachen ver\u00f6ffentlicht. F\u00fcr heute muss es aus Zeitgr\u00fcnden gen\u00fcgen, ein paar wichtige Punkte zu erw\u00e4hnen, weil das Lachen f\u00fcr Kinder so wichtig ist.<\/p>\n<p>Die Forschung hat festgestellt, dass Kinder am Tag fast 400 Mal, die Erwachsene nicht einmal 20 Mal lachen. Und man hat au\u00dferdem herausgefunden, dass Erwachsene immer weniger lachen.<br \/>\nKinder lachen gerne, und Lachen ist sehr gesund. Suchen Sie f\u00fcr sich und das Kind Lachgeschichten, Kinderwitze. Lachen hat viele positive Funktionen. Mancher Witz kann lehrreicher sein als eine Stunde predigen und mahnen.<\/p>\n<p>Also suchen Sie mit Ihren Kindern oder Enkelkindern nach heiteren Geschichten, die durch Lachen belehren. Lachen ist der beste Schmuggler von Gedanken und Ideen. Das sagt noch nichts \u00fcber die Qualit\u00e4t der Gedanken, manche Comedians f\u00fcllen S\u00e4le mit ihrem geschmacklosen Humor auf Kosten der W\u00fcrde von Frauen, Gefl\u00fcchteten und Angeh\u00f6rigen anderer Kulturen und Religionen. Solche Witze erzeugen bei einem gleichg\u00fcltigen Publikum ein stupides Lachen. Aber das Lachen kann auch Weisheiten und wichtige Ratschl\u00e4ge f\u00fcrs Leben der Kinder transportieren, und es regt ihre Phantasie an, um ungew\u00f6hnliche Antworten, Ideen und M\u00f6glichkeiten zu finden.<\/p>\n<p>Ab sechs, sieben Jahren k\u00f6nnen Kinder Witze verstehen und genie\u00dfen. Erz\u00e4hlen Sie ihnen Witze und kurze Lachgeschichten, die frei sind von Gewalt und Beleidigungen Anderer. F\u00fcr kleinere Kinder sind einfache kurze Wortspiele am besten geeignet:<\/p>\n<p><em>Papa bringt seinen kleinen Sohn ins Bett. Nach einer Weile<\/em><br \/>\n<em>\u00f6ffnet die Mutter ganz vorsichtig die Zimmert\u00fcr und fragt leise:<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Und, ist er schon eingeschlafen?&#8220;<\/em><br \/>\n<em>Antwortet der kleine Sohn: &#8222;Ja, und er schnarcht!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">***<\/p>\n<p>Wenn die Kinder etwas \u00e4lter sind, so k\u00f6nnen Sie ihnen<br \/>\nanspruchsvollere Witze erz\u00e4hlen:<\/p>\n<p><em>Ein heller Sommertag. Der kleine Hans geht mit seinem Opa im Park spazieren. Der alte Mann pfl\u00fcckt einen Grashalm und steckt ihn gedankenverloren in den Mund. <\/em><br \/>\n<em>\u201eOpa, Opa, wir bekommen bald ein Auto!\u201c<\/em><br \/>\n<em>\u201eWie kommst du denn jetzt darauf?\u201c<\/em><br \/>\n<em>\u201eVati hat gesagt, wenn Opa ins Gras bei\u00dft, kriegen wir einen<\/em><br \/>\n<em>neuen Wagen!\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">***<\/p>\n<p><em>Ein K\u00e4nguru h\u00fcpft durch die australische Landschaft. Auf einmal streckt ein Pinguinbaby seinen Kopf aus dem Beutel der K\u00e4ngurumutter und muss sich \u00fcbergeben. Zu gleicher Zeit steht ein K\u00e4ngurubaby am S\u00fcdpol und bibbert: \u201eBl\u00f6der Sch\u00fcleraustausch!\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">***<\/p>\n<p><em>Religionsunterricht. \u201eLiebe Kinder\u201c, fragt der Religionslehrer, \u201ewas m\u00fcsst ihr tun, damit euch Gott eure S\u00fcnden vergibt?\u201c Da sagt Katja im Brustton der \u00dcberzeugung: \u201eS\u00fcndigen, Herr Lehrer, s\u00fcndigen m\u00fcssen wir zuerst.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche Ihnen viel Spa\u00df beim Genie\u00dfen der Geschichten mit Ihren Kindern oder Enkeln.<\/p>\n<p>Und nun zum Abschluss noch ein kleines Geschenk f\u00fcr Ihre Geduld mit mir, eine ungew\u00f6hnliche Geschichte \u00fcber eine Freundschaft zwischen einer Maus und einem Elefanten. Es ist die Geschichte von Bobo und Susu. Sie ist im Buch <em>Der <\/em><em>Kameltreiber von Heidelberg<\/em> nachzulesen.<\/p>\n<p>Rafik Schami<br \/>\n\u00a9 2022<br \/>\n<a href=\"https:\/\/dai-heidelberg.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/09\/Kinderbuchfestival-%E2%80%93-Rafik-Schami.pdf\"><em>Den Originaltext inklusive Quellenangaben, Verweisen und Links finden Sie hier.\u00a0<\/em><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Mehr zu Rafik Schami:\u00a0<\/strong><\/h3>\n<p>Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren. Sein dort begonnenes Studium der Chemie f\u00fchrte er in Heidelberg zu Ende. Zu unser aller Gl\u00fcck wurde er aber nicht Chemiker, sondern Autor. Er schreibt fast ausschlie\u00dflich auf Deutsch. Rafik Schami wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt 2022 mit der Carl-Zuckmayer-Medaille. Er lebt seit vielen Jahren in der Pfalz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Fest der Geschichten Im Oktober 2022 fand im DAI Heidelberg unter dem Motto &#8222;In Geschichten zu Hause&#8220; erstmalig ein&nbsp;&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":53384,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-53297","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"better_featured_image":{"id":53384,"alt_text":"","caption":"","description":"","media_type":"image","media_details":{"width":2010,"height":2560,"file":"2022\/11\/Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-scaled.jpg","filesize":682724,"sizes":{"medium":{"file":"Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-236x300.jpg","width":236,"height":300,"mime-type":"image\/jpeg","filesize":16145,"source_url":"https:\/\/dai-heidelberg.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/11\/Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-236x300.jpg"},"large":{"file":"Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-804x1024.jpg","width":804,"height":1024,"mime-type":"image\/jpeg","filesize":118461,"source_url":"https:\/\/dai-heidelberg.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/11\/Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-804x1024.jpg"},"thumbnail":{"file":"Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-150x150.jpg","width":150,"height":150,"mime-type":"image\/jpeg","filesize":6516,"source_url":"https:\/\/dai-heidelberg.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/11\/Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-150x150.jpg"},"medium_large":{"file":"Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-768x978.jpg","width":768,"height":978,"mime-type":"image\/jpeg","filesize":109838,"source_url":"https:\/\/dai-heidelberg.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/11\/Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-768x978.jpg"},"1536x1536":{"file":"Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-1206x1536.jpg","width":1206,"height":1536,"mime-type":"image\/jpeg","filesize":242213,"source_url":"https:\/\/dai-heidelberg.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/11\/Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-1206x1536.jpg"},"2048x2048":{"file":"Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-1608x2048.jpg","width":1608,"height":2048,"mime-type":"image\/jpeg","filesize":424249,"source_url":"https:\/\/dai-heidelberg.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/11\/Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-1608x2048.jpg"},"post-thumbnail":{"file":"Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-1024x1304.jpg","width":1024,"height":1304,"mime-type":"image\/jpeg","filesize":180030,"source_url":"https:\/\/dai-heidelberg.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/11\/Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-1024x1304.jpg"},"dai-singular":{"file":"Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-820x1044.jpg","width":820,"height":1044,"mime-type":"image\/jpeg","filesize":122927,"source_url":"https:\/\/dai-heidelberg.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/11\/Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-820x1044.jpg"},"dai-list":{"file":"Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-140x140.jpg","width":140,"height":140,"mime-type":"image\/jpeg","filesize":5881,"source_url":"https:\/\/dai-heidelberg.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/11\/Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-140x140.jpg"},"dai-selector":{"file":"Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-240x170.jpg","width":240,"height":170,"mime-type":"image\/jpeg","filesize":9612,"source_url":"https:\/\/dai-heidelberg.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/11\/Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-240x170.jpg"},"dai-hof":{"file":"Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-240x192.jpg","width":240,"height":192,"mime-type":"image\/jpeg","filesize":10710,"source_url":"https:\/\/dai-heidelberg.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/11\/Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-240x192.jpg"}},"image_meta":{"aperture":"0","credit":"","camera":"MG5300 series","caption":"","created_timestamp":"1478510325","copyright":"","focal_length":"0","iso":"0","shutter_speed":"0","title":"","orientation":"1","keywords":[]},"original_image":"Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2.jpg"},"post":53297,"source_url":"https:\/\/dai-heidelberg.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/11\/Portraet-\u00a9-Arne-Wesenberg2-scaled.jpg"},"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.8 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Rafik Schami: Rafik erz\u00e4hlt - Deutsch-Amerikanisches Institut. 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