Halbwahrheiten

  • Zur Manipulation von Wirklichkeit
  • Nicola Gess
  • Literatur

Ob Fake News, Verschwörungserzählungen oder populistische Propaganda: Sie alle kommen nicht ohne Halbwahrheiten und ihre Manipulation von Wirklichkeit aus.

Zugleich gehören Halbwahrheiten zu den wirkmächtigsten Instrumenten des sogenannten „postfaktischen“ politischen Diskurses: Ein Diskurs, für den die Verwandlung von Fakten in bloße Meinungen ebenso typisch ist wie das Streben nach Aufmerksamkeit und autoritärer Setzung, der häufig zwischen Relativismus und Zynismus schwankt.

Nicola Gess setzt die Halbwahrheit mit dem Ideologiebegriff in Beziehung. Sie formuliert eine Theorie der Halbwahrheit als narrative Kleinform, die nicht nach dem Code „wahr/falsch“, sondern nach „glaubwürdig/unglaubwürdig“ funktioniert.
Am Beispiel des gefallenen Journalisten Claas Relotius, des Verschwörungstheoretikers Ken Jebsen und des Schriftstellers Uwe Tellkamp untersucht sie, wie eine Rhetorik der Halbwahrheiten arbeitet und warum man ihr mit einem „Fiktionscheck“ besser begegnen kann, als mit einem „Faktencheck“.

Nicola Gess lehrt Neuere deutsche und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Basel. Sie ist Leiterin des vom Schweizer Nationalfonds geförderten Forschungsprojekts Halbwahrheiten. Wahrheit, Fiktion und Konspiration im ‚postfaktischen Zeitalter‘ und Co-Leiterin der ebenfalls vom Nationalfonds geförderten Sinergia-Forschergruppe The Power of Wonder.
Zu ihren Veröffentlichungen gehören: Staunen. Eine Poetik (2019), und Primitives Denken. Kinder, Wilde und Wahnsinnige in der literarischen Moderne (2013).

Hinweis

Die Veranstaltung muss aus organisatorischen Gründen entfallen

Foto: Bettina Hägeli