Cemile Sahin

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  • Literatur

In neun Episoden erzählt Cemile Sahin von Menschen, die ihr Exil in einem Hochhaus im Westen der Türkei finden. Alle haben Folter, Gewalt und Verschleppung erlebt. Diese Erfahrungen darstellbar zu machen, ist das Anliegen der Autorin.

Um welchen Krieg es sich dabei dreht, lässt sie offen – sie verwebt Aspekte unterschiedlicher Konflikte miteinander. Dabei sind die beschriebenen Szenen nicht erfunden, sagt Sahin, wer sich mit dem Nahen Osten beschäftigt, komme zwangsläufig mit solchen Geschichten in Berührung.

Vor allem aber holt sie die einzelnen Menschen in den Vordergrund, die in jedem Krieg immer nur Spielball sind: „Mir ging es beim Schreiben darum, dass die Zivilbevölkerung nie zu Wort kommt. Ich wollte die andere Seite des Krieges erzählen, von den Personen, die darin gefangen sind und kaum Gehör finden.“

So beschreibt Sahin eine Mutter, die ihren toten Sohn auf einen Pick-up lädt. Einen Mann, der seine schlafende Tochter draußen ins Gebüsch legt, bevor er sein Haus anzündet. Sie wolle über Menschen schreiben, die in Ländern mit einer ausgeprägten militärischen Tradition leben. Dies tut sie in einer Mischung aus Drehbuch, Protokoll und Reportage.

Cemile Sahin, geb. 1990, ist eine deutsche Künstlerin, Schriftstellerin und Kolumnistin. Sie studierte Bildende Kunst in London und an der Universität der Künste Berlin. 2019 erschien ihr Debütroman Taxi. Für ihre multimediale Kunst wurde mit dem Nachwuchspreis ars viva gewürdigt; 2020 erhielt sie für ihren Debütroman und ihre visuellen Arbeiten die Alfred-Döblin-Medaille.

Hinweis

Die Veranstaltung wurde auf den 04. Mai 2021 verschoben.

Foto: Paul Niedermayer