Carolin Amlinger

  • Gekränkte Freiheit
  • Aspekte des libertären Autoritarismus
  • Vortrag

Corona-KritikerInnen mit Blumenketten, KünstlerInnen, die naturwissenschaftliche Erkenntnisse in Frage stellen, JournalistInnen, die sich als Rebellen gegen angebliche Sprechverbote inszenieren: Der libertäre Autoritäre hat Einzug gehalten in den politischen Diskurs. Er sehnt sich nicht nach einer verklärten Vergangenheit oder der starken Hand des Staates, sondern streitet lautstark für individuelle Freiheiten – frei zu sein von Rücksichtnahme, von gesellschaftlichen Zwängen, gesellschaftlicher Solidarität. Laut Carolin Amlinger ist er eine Folge des Freiheitsversprechens der Spätmoderne: Mündig soll er sein, der Einzelne, dazu noch authentisch und hochgradig eigenverantwortlich. Gleichzeitig erlebt er sich als zunehmend macht- und einflusslos gegenüber einer komplexer werdenden Welt. Das wird als Kränkung erfahren und äußert sich in Ressentiment und Demokratiefeindlichkeit.

Amlinger erläutert die sozialen Gründe, die zu einem Wandel des autoritären Charakters führten. Die Spätmoderne bringt einen neuen Protesttypus hervor, dessen Ruf nach individueller Souveränität eine Bedrohung ist für eine Gesellschaft der Freien und Gleichen: die Verleugnung einer geteilten Realität.

Dr. Carolin Amlinger ist Literatursoziologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Departement Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Basel.

In der Reihe Demokratie

Foto: Jürgen Bauer

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